KTM LC4 (Diavolo) von Frauenschuh mit unglaublichen 136 PS!

Josef Frauenschuh, oder "Sepp" wie ihn alle nennen, ist für Österreich's Einzylinder-Fahrer ungefähr das was der Zauberer Gandalf für die Hobbits in dem Film Herr der Ringe ist. Ein wahrer Meister seines Fachs, ein Künstler der den meist doch etwas bockigen Einzylindern nicht nur mehr PS sondern auch weitaus bessere Drehmomentkurven als im Serienzustand verpasst. Im Gegensatz zu Gandalf's Zauberstab vollführt Sepp seine Tuningtricks allerdings mithilfe von Schraubenzieher und Fräsbohrer. Aber immerhin, das Ergebnis ist das gleiche. Es entsteht etwas was nur wenige Leute seines Fachs "wirklich" können, nämlich dem Motor eine Menge mehr an Pferdchen als in Serie zu entlocken. In der Einzylinder Supermoto Szene, speziell unter KTM Fahrern geniesst Sepp schon zu Lebzeiten einen legendären Ruf. Wenn Sepp zum Fräsbohrer greift verstummen die Zweifler und lauschen ehrfürchtig dem Kreischen während dieser im Zylinderkopf eintaucht.

Sepp startet heuer beim KTM TNT Cup
Josef Frauenschuh wird heuer übrigens auch regelmässig im KTM TNT Cup starten. Sepp:"Starten werde ich allerdings mit der "alten Hure", nicht mit der "Diavolo"." Naja, nicht wenige Nichteingeweihte werden sich jetzt fragen "Wie zum Teufel kann ich auf einer Hure, und dann auch noch mit einer alten, am Pann bei einem Rennen starten?". Ganz einfach, die "alte Hure" ist der Spitzname seines Testmotorrades an dem er die letzten 15 Jahre unzählige Teile ausprobierte. Sepp:"Die alte Hure ist eine 1er Duke, Bj. 93, welche ursprünglich ein Presse-Motorrad für Tests gewesen ist und ich, nachdem sie von KTM ausgemustert wurde, gekauft habe." Dennoch gewinnt Sepp mit dem Bike so ziemlich alles an Einzylinder-Rennen wo er an den Start geht.

Jürgen Pirstner:"Ich lasse mich von Sepp adoptieren und hoffe dass er mir seine 136 PS Diavolo vermacht", Mechaniker, Freundin Petra und Grossmeister des Einzylinder-Tunings Sepp Frauenschuh

Neben der alten Hure hat Sepp aber auch ein besonderes Gustostückerl in seiner Garage stehen welche uns vor Neid erblassen lässt, nämlich eine KTM LC 4 mit unglaublichen 136 PS!!! 136 PS, das müsst ihr euch mal vorstellen! Wahnsinn, was!? Sepp:"Ich fahre das Bike zwar öfters am Ring und nehme es immer auf die Rennstrecke mit, bei den Rennen selbst fahre ich dann aber ausschliesslich mit der alten Hure sonst heisst es 'Der g'winnt ja nur weil das Motorrad soviel PS hat'" Sehr fair, oder? Wir wissen es zu schätzen zumal die 136 PS KTM LC4 wirklich eine absolute Rakete ist. Wir wollen euch das Wahnsinn-Bike hiemit ein wenig vorstellen.

KTM LC4 mit 136 PS!
Sepp:"Eigentlich war die ganze Aktion ja nur eine Gaudi-Aktion. Ich und ein paar Kumpels wollten einfach nur den stärksten Einzylinder-Motor machen des es gibt und haben uns schon vor dem Start dieses Projektes jahrelang mit dem Gedanken gespielt wie wir das machen können. Irgendwann sind es dann mal angegangen, wir wollten eine Leistung die einfach ein Irrsinn ist und es war uns egal ob der Motor bereits nach 10 Minuten hochgeht. Hauptsache er hat eine Menge Leistung gehabt." Mittlerweile sind Sepp & Kumpels aber schon seit 4 Jahren mit diesem Motorrad auf Rennstrecken unterwegs und haben sage und schreibe ca. 100 Betriebsstunden raufgefahren, und dies reine Rennstrecken-Betriebsstunden! Sepp:"Ausser ein paar kleinen Problemen mit Kupplung-Abbrennen oder Ketten reissen hatten wir nie irgendwelche Probleme mit dem Motorrad. Einen Motorschaden selbst überhaupt noch nie. Wir haben selber nicht damit gerechnet dass der Motor so gut hält." Da sieht man wieder was KTM für eine Qualität baut, oder? ;-) 

Kompressor Motor von Rotrex, Trijet-Einspritzung ...
Das Bike selbst hat 675 ccm3, eine Trijet-Einspritzung und einen Kompressor-Motor von Rotrex. Während ein Turbo über Abgas angetrieben wird, wird der Kompressor-Motor von Sepp's Wahnsinns-Rakete über's Getriebe angetrieben. Sepp:"Der Kompressor erreicht aber trotzdem ca. 170.000 Umdrehungen, ein Turbo im Gegensatz etwas mehr, bis zu 300.000 Umdrehungen sogar." Mit diesem Kompressor der über die Kurbelwelle angetrieben wird, wird die Luft verdichtet, geht durch einen Ladeluftkühler in einen Drosselklappenkörper und dann über die Ventile in den Brennraum." Dass das Zeug nicht ganz einfach zu 'konfigurieren' ist, ist somit klar. Sepp:"Wir haben hunderte von Stunden gebraucht bis sie gelaufen ist wie wir es wollten. Bei den ersten Versuchen hatten wir gleich mal 102 PS, dann schafften wir es auf 118 PS, danach auf 125 PS und jetzt haben wir es geschafft satte 136 PS rauszuholen."

Wer fährt damit eigentlich?
Wer fährt denn verdammt nochmal mit so einem Ding? Stuntmen? Sepp:"Nein, eigentlich jeder den ich lasse und der mir vernünftig genug erscheint solch eine Leistung beherrschen zu können. Meine Freundin Petra z.B. fährt auch regelmässig damit. Wenn sie mal oben sitzt, kriegt man sie kaum mehr runter."

Halt! Was steht da für eine geile Kiste hinter der Diavolo? Schaut schwer nach Ferrari aus...
 
Kosten
Sepp:"Der Rotrex Kompressor kostet ca. 2.000 Euro, das ist nicht die Welt. Die vielen handgefertigten Teile hingegen die wir in hunderten von Arbeitsstunden hergestellt haben würden ein Vermögen ausmachen. Wir haben es uns eigentlich nie ausgerechnet weil so etwas in Serie zu produzieren sowieso nie machbar sein würde. Da ist die Arbeit unbezahlbar die da drinnen steckt." Nicht in Serie aber in kleiner Auflage wäre so eine Frauenschuh Kompressor LC4 aber möglich. Sepp:"Es wäre denkbar dass wir weitere 2-3 Stück dieser 136 PS LC4 aufbauen. Wenn sich dafür ein Käufer finden sollte, müsste dieser aber auf jeden Fall Sachkenntnis haben. Solch ein Bike ist ein absolutes Rennmotorrad und nicht geeignet mit der Freundin nach Lignano Urlaub zu fahren."

Die Diavolo ist übrigens Baujahr 1998, die Plastix die drauf verbaut sind, sind 2005er. Original hatte sie damals 624 ccm3 und 50 PS. Also ein Lapperl gegenüber der PS-Anzahl die sie jetzt hat...

Mit der 3.ten bei 180 kmh geht sie in den Wheely
Wie ist es eigentlich damit zu fahren? Kann man so eine Höllenmaschine halbwegs derreiten?
Sepp:"Das Fahrgefühl ist einfach nur geil. Wir haben sie sehr hoch übersetzt, nämlich 18-32, damit sind wir an der Grenze da hinten kein kleineres Ritzel mehr drauf passt. Trotzdem dreht sie bis in den Drehzahlbegrenzer und erreicht über 250 kmh. Mit dem dritten Gang kann man bei ca. 180 kmh noch locker einen Wheely machen wenn man am Gasgriff dreht. In Mugello bin ich mal 252 kmh damit gefahren."

Und Aerodynamik?
Wie sind da eigentlich die aerodynamischen Verhältnisse bei so einem Bike? Flattert das Bike?
Sepp:"Natürlich flattert das Bike, besonders um die 200 herum, über 200 wird sie dann wieder ruhiger. Wichtig ist dass man den Lenker arbeiten lässt. Man darf ihn nicht zu fest halten sondern muss ihm etwas Freiraum lassen. Bei einer KTM SMC ist der Lenker z.B. sehr hoch, die hat eine Aerodynamik wie ein Wandschrank, und da ist es nur natürlich dass sich der Lenker bei hohem Speed zu rühren anfängt. Mann muss schauen dass man den Körper so weit wie möglich nach vorne gibt um Gewicht auf den Lenker zu bringen. Sie wird ab 200 kmh vorne sehr leicht."

Wie reagieren die Buckligen eigentlich drauf wenn du sie mit der Duke überholst?
Sepp:"So eine R1 geht zwar etwas schneller als die 136 PS Diavolo aber beim Anbremsen hat man die Kerle dann wieder. Meistens hört man dann im Fahrerlager die Leute reden 'Wahnsinn wie diese Ducati geht' weil sie glauben es ist eine Hypermotard. Die haut's dann immer aus den Socken wenn ich ihnen sage dass sie eigentlich von einem Einzylinder herpaniert wurden."

Wenn euch also am Mittwoch am Pann beim KTM TNT Cup auf eurer Superduke eine 2er Duke auf Start-Ziel stehen lässt dass ihr glaubt ihr habt den Leerlauf erwischt, macht euch nix draus. Es ist der Sepp oder Petra die ihre 136 PS LC4 mal ein wenig freiem Lauf lassen ;-)