Testride mit der 2010'er R6 Yamaha!

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Kein anderes Bike, egal ob in der 1000er oder der 600er Klasse, ist im Bereich Supersport derart auf Racing getrimmt wie die R6 von Yamaha. Das Bike ist eine echte Rennrakete, noch mehr mit Augenmerk auf Racing als die R1 finden wir, das merkt man selbst schon beim Aufsitzen. Die Sitzposition ist extrem nach vorne geneigt, Armaturenanordnung, Instrumente, Sitzpolster, Fussrastenanordnung usw., alles zielt einfach nur darauf ab auf der Rennstrecke eine schnellstmögliche Rundenzeit zu erzielen. Die R6 ist unter den Supersport-Fans einfach die ungeschlagene Nr. 1 wenn es um die Auswahl eines Rennbikes für die Rennstrecke geht. Wenn man am Pann den Blick durch's Fahrerlager schweifen lässt ist es deshalb kein Wunder dass der Anteil der R6'en um einiges höher ist als das jedes anderen Modell's.


 

123,8 PS werden mittlerweile aus dem kleinen Bruder (oder Schwester?) der R1 herausgekitzelt, und das ohne Ram-Air. Yamaha hat der R6 gegenüber dem Vorjahr nur kleine Änderungen bzw. Verbesserungen verpasst. So wurde das Motormanagement im Bereich der Programmierung überarbeitet bzw. etwas verbessert sowie der Endschalldämpfer etwas modifiziert um die Leistung und Drehmoment gegenüber der 2009er noch weiter zu verbessern. Was den Drehmomentverlauf angeht war die R6 aber seit dem 2008er Modell sowieso schon gegenüber ihrer Konkurrenz in dieser Klasse voraus. Hatte der 06'er Motor noch etwas einen Durchhänger beim Drehmomentverlauf, ziehen die R6'en ab dem 2008er Modell super durch ohne irgendwo ein Loch aufzuweisen. Die Drehzahl wird bei einer 600er zwar immer etwas im oberen Bereich angesiedelt sein aber dennoch erstaunt es uns jedes Mal auf Neue wieviel Kraft so ein 'kleiner' Motor wie der von der R6 im oberen Bereich noch entwickeln kann. 

Erster Eindruck
Beim Aufsitzen wird einem sofort klar dass man damit eher nicht die 5 Stunden Anreise auf der Autobahn Richtung Lignano fahren sollte. Da könnte man dann schon auf der halben Strecke irgendwo bei einem Rastplatz runterfallen wie ein toter Cowboy in einem von Sergio Leone's Western. Supersportler sind einfach keine Tourenbikes, obwohl hier andere Hersteller zumindest kleine Kompromisse in diesem Bereich einzugehen versuchen. Im Gegensatz dazu ist die R6 eine reinrassige Rennmaschine mit Strassenzulassung. Ein Kurzstreckenjäger mit dem man im Tiefflug über geringe Distanzen über die Autobahnen fetzt, über die langgezogenen Kurven der Soboth mit den Knien schleift oder man ohne jedwede Umbauten sofort damit auf die Rennstrecke fahren kann. Die R6 ist 'Ready to Race' sozusagen um den Spruch von KTM abzukupfern. Die Sitzposition ist wahrhaft supersportlich und darauf ausgerichtet beim harten Anbremsen, beim Beschleunigen, in extrem Kurvenlagen usw. ideal dem Fahrer zu entsprechen. Die R6 ist ein Supersportler, aber genau das ist auch das Schöne an der Philosophie die Yamaha hier im Bereich der R6 und auch der R1 betreibt. Man kriegt was wir auch wirklich wollen, ein absolutes Renngerät und kein Hybrid-Dingsbums-Motorrad wie die Multistrada von Ducati derzeit im TV beworben wird.

Der Knieschluss zum Tank ist ideal für Schräglagen und harte Bremsmanöver, die Position der Fussrasten zwar sehr hoch aber man kann dadurch super Druck in der Schräge auf das Motorrad ausüben bzw. läuft nicht Gefahr dass diese leicht aufsetzen. Der Lenker ist extrem tief angebracht, beim Anbremsen aber Gold wert um hier ideal das Vorderrad bei harten Bremsmanövern sehr gut zu spüren. Durch den tiefen Lenker wird man auch zu einer Duck-Haltung hinter die niedrige Scheibe (ist alles Luftwiderstand) mehr oder weniger gezwungen. 

Bremsen, Fahrwerk
Kaum von der Autobahn runter entfaltet die R6 in Richtung Alpl ihre wahren Werte. Der zweispurige Zick-Zack-Kurs ist ideal um die Bremsen von Supersportlern zu testen. Kommt man mal etwas zu weit raus, hat man ja noch die zweite Spur. Die Bremse der R6 lässt sich sehr gut dosieren. Was die Bremsanlagen der R1 und R6 immer schon ausgezeichnet haben ist dass sie auf der Rennstrecke selbst unter härtester Belastung kein Fading oder ähnliche Schwachstellen zeigen. Besonders beim Anbremsen nach Geraden von über 200 runter auf enge Kehren mit z.B. 50 kmh beruhigt dieser Umstand schon ungemein. Das Fahrwerk ist sehr hart wie es sich für einen Supersportler gehört, für die Strasse und für das Serien-Setup fast ein wenig zu hart aber man spürt deshalb den Strassenbelag auch förmlich durch das Fahrwerk durch was die Rennfahrer wieder freuen wird.

Die Upside-Down Telegabel vorne erlaubt allerdings eine getrennte High- und Lowspeed Einstellung sowie eine Druckstufendämpfung um das Bike auf jede mögliche Bedingung ideal einzustellen. Man kann sie also durchaus weicher machen aber wer will das schon? ;-)

Handling
Yamaha gibt an die Handling-Qualitäten des Fahrwerks von deren Werksrennmaschinen abgeleitet zu haben und man kann sich durchaus vorstellen dass hier etliche Einflüsse von Rossi, Spies, Lorenzo & Co. in das Fahrwerk der 2010er R6 Einfluss genommen haben. Man hat den Deltabox-Rahmen auch so konstruiert dass Lenkkopf, Schwingendrehpunkt und Hinterachse auf einer Linie liegen. Tankbefestigung und Motorlagerung sind ebenfalls nahe dieser Achse positioniert um eine möglichst vertikale, horizontale und torsionale Festigkeits-Balance zu ergeben. Yamaha hat hier in diesem Bereich die letzten Jahre sehr viel in die Forschung und Entwicklung investiert und lässt dies auch bei ihren Motocross-Bikes der heurigen Modellpalette einfliessen. 

Gleiche Lastverteilung wie die Moto-GP Bikes von Rossi und Lorenzo
Im Bereich der Lastverteilung hat man übrigens das Gewicht gleich wie bei den Moto-GP Maschinen von Rossi und Lorenzo mit 52,5 % auf das Vorderrad verlagert. Dafür wurde das Rahmenheck extra leicht gestaltet. Was einem bei der R6 auch sofort nach den ersten Kurven auffällt ist dass sich rasiermesserscharf die Linien durch die Kurven ziehen lassen. Dies ist auch einer der Hauptschwerpunkte wieso sich viele Supersport-Fans für die R6 entscheiden. Mit keinem anderen serienmässigen Bike zieht man derart exakt auf den Zentimeter genau die Linien durch die Kurven als wie mit der 6er. Dies bringt nicht nur sehr viel Vertrauen in die Fahrweise von einem selbst sondern sorgt auch dafür dass die bisherigen persönlichen Rundenbestzeiten am Pannoniaring sehr schnell purzeln.

Motor
Der Motor dreht sehr sauber über die gesamte Drehzahl nach oben. Während bei der 2006er R6 der rote Bereich bei 17.500 Touren erst anfing und man damals das Gefühl hatte einen kreischenden Zahnarztbohrer zu fahren hat man sich die letzten Jahre wieder dazu entschlossen den Motor eher im mittleren Bereich wieder stärker zu machen als die Drehzahl noch weiter nach oben zu schrauben. Was uns besonders gefällt an der R6 ist dass die Motorleistung zu handhaben ist. Während die Leistung der 1000er Supersportler bald an der 200 PS Marke kratzen ist so eine 600er mit knapp 124 PS selbst für einen Hobby-Fahrer leicht zu handhaben. Der maximale Drehmoment von 65,7 Nm wird bei 10.500 Touren angegeben. Von den 600ern hatte die R6 die letzten Jahre immer die meiste Leistung, das merkt man auch ohne Prüfstandergebnis auf der ersten Geraden. Das Erreichen der 260er Ziffer am Digi-Tacho geht sehr schnell vonstatten. Komischerweise hat sie bei höherer Geschwindigkeit eine sehr gute Aerodynamik über den Fahrer drüber, kaum Winddruck. Nur mit dem Kinn klappert man halt am Tank so kauert man sich rauf. Jetzt wissen wir wenigstens warum Rossi immer einen Mundschutz wie ein Boxer trägt, der möchte sich bei einem Schlagloch seine Zähne nicht ausschlagen. ;-)

Im Bereich Auspuff und Auslass-Steuerung nimmt ebenfalls immer mehr Technik Einfluss. So steuert das EXUP-System die Abgasströmung in Abhängigkeit zur Drehzahl um den Drehmomentverlauf zu verbessern. Yamaha hat übrigens diese Auslassteuerung schon vor Jahrzehnten quasi erfunden. Wir können uns noch erinnern, 1983 oder 1984 hatten Motocross-Bikes damals schon solch ein System namens YPVS (Yamaha Power Valve System oder so ähnlich). Einige Jahre später übernahm die FZR dies dann als EXUP-System.

Es hat sich schon lange ausgehoppt
Die Anti-Hopping Kupplung funktioniert sehr gut und variiert automatisch den Kupplungsdruck um Kraftspitzen abzubauen und ein Stempeln des Hinterrades zu verhindern. Die Anti-Hopping Kupplung ist sicher die beste Einführung bei Serien-Bikes welche die letzten Jahre verbaut wurde. Wir würden sagen sogar um einiges wichtiger bei Serienbikes als ABS oder eine Traction-Control. Durch die Anti-Hopping Kupplung bleibt die R6 selbst in Grenzsituationen wo man zu spät oder zu hart eine Kurve anbremst das Motorrad extrem stabil. Man hat das Gefühl es zieht einem jemand von hinten an den Hosenträgern so weich setzt diese bei der R6 ein. Wir können uns gar nicht mehr vorstellen wie das früher war als diese noch nicht serienmässig verbaut wurde. Da sind wir damals mit unseren Eisenhaufen oft in die Kurven reingehoppelt wie ein Rudel rammliger Hasen während die Leitschiene auf uns zukam. :-) Daran möchten gar nicht mehr denken, was?! ;-)

Chris am Knie auf der Soboth
Statements
Chris:"Radi war sehr sehr glücklich als wir uns mit der R6 anfangs der Sobother Bundesstrasse getroffen haben. Er hat vor Begeisterung über die R6 in einem Redeschwall gesprudelt wie ein frisch eingeschenktes Mineralwasser mit zuviel Kohlensäure. Naja, die R6 nahe des roten Bereich's dahinorgeln zu lassen, die 1000er Bikes beim Anbremsen der 180-Grad Kehren am Rechberg zu versageln und Wheelie's über hunderte Meter mit einer Motorleistung zu kontrollieren ohne Gefahr zu laufen bei 2mm zuviel am Gasgriff bereits am Kreuz zu landen..., das ist genau das was ihm zusagt. Er hat dann irgendwie echt geglaubt er kann dann auf der Soboth mit mir mithalten als wir abgefahren sind. Naja, da muss er aber früher aufstehen. Ich fahre die Soboth ja mindestens einmal die Woche während er vielleicht alle 2 Jahre sich mal auf der Soboth blicken lässt. Die Soboth ist mein Revier, das braucht er nicht markieren auch wenn er noch so oft dort Pinkelpausen macht und das habe ich ihm natürlich auch gleich zeigen müssen. Beim Schnitzelsemmel-Essen oben bei der Sobother Würstelbude war er dann gleich wieder etwas schweigsamer. Die R6 ist übrigens ein Super Motorrad, das Fahrwerk echt spitze. Nur die Leistung so einer 600er ist für mich als 1000er-Fahrer natürlich etwas zuwenig. Da ist mir die R1 um einiges lieber, ich bin den Punch der wilden Pferdeherde die mir beim Gas-Geben in den Arsch tritt einfach schon zu lange gewohnt. Bei so einer 600er ist mir da zuviel Verzögerung drinnen bis diese so richtig galoppieren anfangen."

Radi:"Jaja, der Chris. Aber er fährt ja auch am Pann ca. 10 Sekunden schneller als ich. Und das obwohl er während dieser Runde mithilfe einer unglaublichen Technik mit dem oberen Lippenmuskel in der Nase bohrt. Unglaublich, was? Er hat diese Technik durch jahrelanges Training in bedeutungslosen langweiligen Religionsstunden während der Stallhofener Volksschule entwickelt und sich später patentieren lassen. Er ist der einzige Mensch auf der Welt der das kann. Angeblich juckt ihm da was öfters in der Nase während er seine schnellen Runden dreht sagt er immer. Chris ist einfach ein verkannter Rennfahrer, die Gabe auf dem Motorrad schnell zu sein hat ihm Gott geschenkt. Oder er hat sich diese wo gekauft, kann man dies überhaupt irgendwo kaufen? Wenn Chris am Tag nach der SBK-WM in Brünn, wo Rossi auf der Serien-R1 getestet hat ob sein Hax'n beim Fahren noch weh tut, zufällig dort auch gefahren wäre hätte das Fiat-Yamaha Team wahrscheinlich dem Rossi die 46 sofort von der M1 gekletzelt und den Platz sofort dem Chris gegeben. Valentino Rossi wäre sicher in der Versenkung verschwunden, keiner hätte ihn mehr haben wollen und letztendlich hätte er einen unbedeutenden Ersatzfahrer- und Test-Job bei Ducati annehmen müssen. Hee!?!? Ist das nicht schon passiert?!?! So wie VanGogh malen konnte, Mozart komponierte oder David Hasselhof vollbetrunken Autofahren kann so hat auch Chris eben ein Talent dass er irgendwo aus den Weiten des Universums zugebeamt bekommen hat. Wir glauben Speedokolus, der Gott der Rennfahrer, hat es ihm in die Wiege gelegt. Er wollte es eigentlich mir in die Wiege legen hat sich dann aber kurzfristig aus unerfindlichen Gründen anders entschlossen. Es könnte aber auch sein dass Chris nur aufgrund seiner magischen Kotletten (aufgrund der er öfters mit Elvis verwechselt wird) sauschnell ist. Ich war auch nicht der Einzige und Letzte der an diesem Tag von ihm versagelt wurde."

Was sonst noch an der neuen R6 auffällt ...
Die Farbgebung für die 2010er Modelle ist Yamaha heuer super gelungen. Die R6 gibt es in Schwarz, noblem Weiss und Weiss-Blau. Alle 3 Farbvarianten sehen einfach super aus. Gerade das weisse Modell mit den schwarzen Felgen und der getönten Scheibe macht einen optisch megageilen Eindruck. 

Die Armaturen sind echte Messinstrumente, der Drehzahlmesser sieht aus wie das Zifferblatt einer Schweizer Nobeluhr. 

Man kann sie mit dem ersten Gang voll leicht in den Wheely bringen, nur durch Gasgeben natürlich. Sollte man aber eher bei höherer Drehzahl machen, so ab 70 kmh herum. Sie 
lässt sich dann im Wheely ohne Kupplung super auf den zweiten Gang und auch noch weiter schalten. Das Vorderrad bleibt da schön oben. 

Die R6 ist ein echter Kampfbecher wo man, überall wo es Kurvenschlängelwerch gibt, die Nase vorne haben wird. Einzig Supermoto's hätten da vielleicht noch eine Chance 
mitzuhalten.

Was wir an der R6 am meisten mögen, sie ist für die Rennstrecke gebaut. Man kann mit ihr 1 zu 1 in dem Zustand auf die Rennstrecke gehen und am Pann auf Anhieb tolle Zeiten 
hinlegen ohne gross etwas umändern zu müssen.

Durch die Handlichkeit und das leichtere Gewicht gegenüber 1000ern hat man beim Anbremsen von engen Kurven immer die Nase vorn.
Yamaha hat die letzten 10 Jahre die besten Supersportler gebaut und mit der R6 immer ein ausgereiftes Produkt im Serienzustand auf den Markt gebracht. Die Rundenzeiten im R6-Cup 
im vergangenen Jahr sprachen da für sich.

Noch ein paar Eckdaten zur R6

Motor
Bauart  flüssigkeitsgekühlter 4-Zylinder-4-Takt-DOHC-Motor, Einspritzanlage, geregelter 3-Wege-Katalysator, 16 Ventile
Hubraum (cm³)  599 cc
Bohrung x Hub (mm)  67.0 x 42.5 mm
Verdichtung  13.1 : 1
Leistung kW  91 kW (123,8 PS) bei 14.500/min ohne Staudruck-System
Drehmoment  65,7 Nm bei 10.500/min
Gemischaufbereitung  elektronische Benzineinspritzung
Kupplung  Mehrscheiben-Ölbadkupplung
Getriebe  6-Gang
Tank/dav. Reserve (L)  17 Liter
Öl (L)  3.4 Liter
Fahrwerk
Rahmen  Aluminium Deltabox
Federung vorne  Upside-down-Gabel 41 mm Ø
Federung hinten  Zentralfederbein
Lenkkopfwinkel  24º
Nachlauf  97 mm
Bremsanlage vorne  2 Scheiben, Ø 310 mm
Bremsanlage hinten  1 Scheibe, Ø 220 mm
Reifen vorne  120/70 ZR17M/C (58W)
Reifen hinten  180/55 ZR17M/C (73W)
Abmessungen  -
Länge (mm)  2.040 mm
Breite (mm)  705 mm
Höhe (mm)  1.100 mm
Sitzhöhe (mm)  850 mm
Radstand (mm)  1.380 mm
Bodenfreiheit (mm)  130 mm
Service Gewicht (kg)  189 kg
 

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Weitere Infos gibt es auf www.yamaha-motor.at